Schutzschild Sportwette

Auf Pferde wettet kaum jemand!
Ein Artikel im “Hamburger Abendblatt“ vom 2. Februar erregt die Gemüter. Es wird eine Situation in dem Ladengeschäft des Buchmachers „Springer“ in der Hamburger City beschrieben. „Auf Pferde wettet kaum jemand“ wird ein dort angestellter Kassierer hinter einem leeren Tresen zitiert. Der Kollege neben ihm, der Sportwetten annimmt (Fußball, Eishockey, SuperBowl) kommt mit der Arbeit nicht nach. Galopper und Traber setzten im Jahre 2003 nur noch insgesamt 180 Millionen € um – zu wenig zum Überleben, sagt das Blatt. Sportwetten seien in Deutschland illegal. In unserem Lande hat der Staat das Wettmonopol. Soweit die Position des Nordwest Lotto und Toto Hamburg. Diese hatten festgestellt, das der Umsatz der eigenen Oddset aufgrund des Angebotes an Sportwetten - in der Hansestadt gleich mehrfach von Buchmachern angeboten - stark rückläufig ist. Gerade Oddset, genau jenes Spielchen, welches am Niedergang der Umsätze im Pferdesport als Ursache ausgemacht wurde, gerät in Not.

Die Buchmacher, die nach dem deutschen Gesetzen nur Wetten auf Pferderennen annehmen dürfen, wähnen sich im Recht die Sportwette nun endlich anbieten zu dürfen und beziehen dieses Recht aus einem Urteil, welches der EuGH unter dem Aktenzeichen C 243/01 am 06.11.2003 gefällt hatte. Grob gesagt wird in dem Urteil die Dienstleistungsfreiheit und die Niederlassungsfreiheit in “Europa” bestätigt. Es geht um Betreibung von Wetteinnahmen durch Nicht-Staatliche-Wetteinnehmer  und Vermittlung von Wetten an Konzessionsinhaber.

Der Staat sieht sich ebenfalls bestätigt, weil das Urteil die Zuständigkeit der Staaten für Regelungen des sozialen Schutzes (Wettsucht...)  in der Hoheit des jeweiligen EU-Staates betont. Zugegeben, sehr verkürzt, aber ich denke nicht minder treffend dargestellt. Das Urteil mögen Interessierte unter Google und Co, Stichwort “Gerichtshof” und “Wetten” einsehen.

Kann es denn angehen, dass beide Seiten aus dem Urteil die Bestätigung ihres Standpunktes herauslesen? Es steht doch immer das gleiche drin, egal wer es liest. Ja und nein. Gerichtsurteile eignen sich konkret nur für den verhandelten Fall und bleiben unter Juristen selbst dann oftmals weiter strittig. Die Rechtsstreitigkeiten  zwischen den Buchmachern einerseits und dem Staat andererseits (sowie der mit dem Direktorium) hat seine eigene Ausprägungen, deren Für und Wider man versucht aus bestehenden Urteilen abzuleiten. Dafür leisten wir uns den Berufsstand der Anwälte. Die Siegespose (Posse?) erinnert an Boxkämpfe. Nach dem Gong erhebt der eine Boxer die Hände zum Zeichen seines vermeintlichen Sieges, der andere trollt sich mit gesenktem Kopf in die Ecke. Wie lautet das Urteil? Der (Kampf-) Richter wird durch die Haltung der Sportler schon vorprogrammiert. Er kann sich sicher sein, dass ein Urteil zugunsten des Jublers keine Kritik des betrübten Boxers auszulösen wird. Deshalb also jubeln üblicherweise beide Kontrahenten. So auch hier. Nur ist dieser Kampf noch lange nicht zu Ende...

Was geschehen war beschreibt das Abendblatt wie folgt: “Nordwestlotto Hamburg, das rückläufige Umsätze bei der staatlichen Oddset-Wette beklagt, erkennt die Gefahr. Ein Mitarbeiter hat sich bei Buchmacher Springer umgesehen. Die Ergebnisse seiner Recherchen hat er an die zuständigen Behörden weiter geleitet...”Weiter Einzelheiten sind hier nicht interessant, höchstens noch dies: bewaffnete Ordnungskräfte erstürmen die Geschäfte eines Buchmachers in München. Durchaus angemessen finde ich, denn es stand zu befürchten, dass der Buchmacher die pflichtbewussten Erstürmer mit Euros totschmeißen würde. Dem Vernehmen nach hat man die Munition des Buchmachers, 380.000 € in kleinen Scheinen, beschlagnahmt.

Was hat diese Geschichte mit dem Galoppsport zu tun? Eigentlich kaum etwas, wie ich gleich erzählen werde. Aber, bislang hat die Galopprennszene der Oddset die Schuld gegeben, das die Umsätze im Galoppsport zurückgegangen sind. Konkurrenz stand ins Haus. Und Konkurrenz ist böse! Haben wir bei der Wiedervereinigung etwas falsch gemacht? Haben wir die falsche Seite rangelassen?

Mir persönlich ist der Streit insofern egal, weil es meiner Ansicht nach klar ist, dass innerhalb Europas die Grenzen fallen werden, weil sie ja fallen sollten. Man mag kurzfristig das Eine oder Andere noch lenken und verhindern können. Dauerhaft wird es nicht möglich sein, Grenzen partiell zu schließen. Es wird eben der die Geister nicht los, der sie rief... lieber Staat!.

Die Diskussion wer im Recht ist, erscheint mir völlig sinnlos. Man stelle sich der Herausforderung des freien Wettbewerbs.  Sobald die Einsicht herrscht, dass auch der Pferdesport ein Teil der freien Marktwirtschaft ist, die wir alle gerne wollen und ach so lieben, wird man mit den Konzepten und Konstrukten der Marktwirtschaft erfolgreich operieren können – oder eben nicht. Mit oder ohne Oddset, mit oder ohne Sportwetten!

Erst wenn der letzte Versuch, sich zu behaupten scheitert, erst dann ist man am Ende.

Wenn man einen Versuch nicht unternimmt, dann ist man  schon heut am Ende.

Lassen Sie mich jetzt zurückkommen zur Frage, was das Ganze mit Galopprennen zu tun hat, die Situation im deutschen Galopprennsport aus meiner Sicht kurz skizzieren:

Ich verfolge zumindest alle wichtigen Rennen des Landes. So bleibt es nicht aus, dass man einige Rennen sich auch vom Buki aus anschaute, weil die Zeit nicht immer  reichte, das Geschehen “vor Ort” zu verfolgen. Als Besitzer eines Computers war es nun seit wenigen Monaten möglich, direkt im Internet -live- die Rennen zu verfolgen, mit bequemen Wettmöglichkeiten per Computer. Fortan ward ich beim Buchmacher nicht mehr gesehen.

Dann kam der “Arc”. Keine Bilder auf dem Computer. Also auf, zum vielgescholtenen, vom Staat verfolgten, vom Direktorium missachteten Buchmacher. Ein paar Strassen weiter, um den Pfeiler rum, Tür auf und ......BUMM! Ich erwartete an den 6 Tischen und 4 Stehpulten so etwa 30, 40 Leute. Lauter Bekannte, manche mehr und manche weniger bekannt. Einige Ställe waren hier vertreten, weiß, blaue Streifen, rote Ärmel und andere Besitzer. Der Pizzabäcker, der die beste Pizza Deutschlands macht, aber keine Ahnung von Pferden hat... Da saßen aber nur 3, 4 Kunden an einem Tisch und starrten auf die Leinwand. Keine Bilder aus Deutschland, ja ja, Frankreich ist auf Sendung, Wo sind die anderen?

Und wer zum Teufel sind die 100 Menschen, die - laut palavernd, dicke Rauchwolken über den Köpfen, vieler Herren Länder Menschen, auf kleine Bildschirme starren, Geldscheine in den Händen haltend, nur einen Tisch nicht belagernd, weil mit Klebeband, wie eine Baustelle abgesichert, mit einem Schild drauf  “nur für Pferderennen”, das Einzige, scheinbar Mächtige, was hier unsere Bastion erhält -  nur einen Wunsch haben, Sportwette...

Hinter dem Tresen, “die Dicke” wie ich sie - lieb gemeint - für mich immer nannte, sie freute sich immer wenn ich kam, genau wie die andere, jüngere, auch nicht gerade Schlanke. Sie hatte sich meinen Namen gemerkt und mich immer freudig begrüsst “Guten Tag, ...”
Kein Wort, kurzes Nicken. Nein, es gefällt ihr hier nicht mehr. Mir auch nicht.

Einige Tage darauf treffe ich den Gastronomen. Nein, er war auch lange nicht mehr da. Die machen jetzt vor allem Sportwetten. Machen 90% Umsatz damit. Nein, Horst, für mich der “Kleine”, kommt auch nicht mehr. München? Neeein!!!! Ja, aber.... Baden-Baden, ...vielleicht?

Schade...

Ich sagte es eingangs schon, die Oddset-Wette soll Schuld am Umsatzeinbruch sein. Und jetzt werden die Herren wohl noch sagen die Sportwette sei Schuld. Vielleicht empfindet man sogar Genugtuung, das der Staat eingreift.

Falsch, alles falsch! Damals, vor etwa 3 Jahren gab es schon einmal einen staatlichen Zugriff auf einen Buchmacher, eben wegen angeblichem Angebot einer Fussballwette - der Oddset gleich. Tatsächlich kursierten damals weisse Wettzettel mit den Bundesligapaarungen und Quoten hierzu im Laden. Da war möglicherweise ein Angestellter dran beteiligt, mit oder ohne Wissen des Wettbüro-Betreibers. Ist mir auch egal. Wichtig zur Beschreibung der Sache ist, dass tatsächlich 6 oder 7 Leute es “schick” fanden, sich auch im Fussball auszukennen. Selbst ich habe mal, zur Winterolympiade, Oddset gespielt. Kalter Kaffee! Glauben Sie, dass irgendeiner deshalb sein Galopprennen aufgibt oder die Einsätze dezimiert? Nein, ich denke eher, das die Umsätze auf Pferderennen bei diesem Buchmacher gestiegen sind.

Weiter bleibt festzuhalten - und deshalb habe ich diese Geschichte, genau so beschrieben, wie ich sie empfinde und beobachtete, dass - kein einziger der bisherigen “Pferdewettkunden” in der Masse der Sportwetter auszumachen war. Kein Einziger! Ist es Ihnen aufgefallen? Ich beschrieb, dass die Kunden wegbleiben. Zum Schaden des Buchmachers, aber der hält sich an der Sportwette schadlos. Deshalb nur zum Schaden der Rennvereine. Denn wenn der Faden zum Galoppsport erstmal gerissen, dann ist er möglicherweise für immer durchtrennt. Kommen nicht nach München wie früher und nur “vielleicht” nach Baden-Baden.

Wo sind die
Konzepte von Seiten des Direktoriums? Den Rennvereinen sind, soweit dies in Erfahrung zu bringen war, die Hände gebunden. Gerne würde man das eine oder andere in eigener Regie machen, nur darf man nicht. Die Umsätze sind wahrlich nicht berauschend. Wenn in Neuss  264.136,99 Euro (Komma 99? Nettoeinsatz nach Abzug der Provision?) als noch zufriedenstellend bezeichnet werden, kann sich jeder denken, das 178.749,20 Euro Umsatz in Dortmund nicht mehr so bezeichnet werden kann (je Rennen 33.017 in Neuss, 25.535 in Dortmund).

In Frankreich hat man im Januar wie ich erfahre 689 Millionen € umgesetzt, waren es in Deutschland 2 oder 4 Millionen? Andere Länder, andere Sitten? Oder liegt es daran, dass an fast jeder Ecke ein PMU-Laden ist.

Dabei war es gerade das Direktorium, welches als einer der Ersten  neue Wege ging. Die Telewette, das Wetten über Telefon, wurde eingeführt, lange bevor die Buchmacher in breiter Phalanx sich im Internet anboten. Ein Superkonzept. Die Telewette wurde niemals ausgebaut auf moderne Techniken. Es wird nur beklagt, dass N-TV nicht mehr bereit ist die Rennen in warme Wohnzimmer zu übertragen. Im Westen gibt es regional Livebilder vom Galopp, aber nur dort und meines Wissens auch nur Samstags. Raze-TV nur mit Schüssel und Digitalempfänger zeigt Micky-Maus-Bilder. Wo ist der Internetauftritt? Ich kenne nur ein Angebot im Internet: der  München Rennverein in Gemeinschaft mit dem Internetbuchmacher www.pferdewetten-online.de. Wie wirksam? Ich weiss es nicht sicher, glaube aber eher unwirksam.

Der Bilderstreit: Sicher ist es ärgerlich, wenn man einen hohen Aufwand hat, um Bilder von den Rennen zu produzieren und ein Teil der Abnehmer = Buchmacher zahlt nicht den geforderten Preis. Nützt es aber etwas, wenn man die Bilder abschaltet? Hätte man eigene Läden vor Ort, die Bilder anbieten, ja dann ist es zielgerecht, der Konkurrenz den Boden zu entziehen. Hier hat man sich den Teppich selbst weggezogen, weil es ausser Buchmacher nichts gibt, nicht mal Internet!

Bei einem Internetbuchmacher wurden an einem Sandbahnrenntag über 3.000 Buchmacherwetten abgegeben, aber nur 100 “Rennbahnwetten”. “Galopp und Trab -  mit Ausland”  - höre ich den Einwand.
Ja genau, >3.000 Wetten, so gross ist das Potential bei einem einzigen Buchmacher! Ein Kaufmann fragt: wie gross ist der Markt, wo ist der Markt, was macht den Markt aus? Wie muss mein Produkt aussehen, um nachgefragt zu werden? Kann ich einen Markt gestalten? Und, und und...

Oder Vergleich im Sport gefällig? Jeder Bundesligatrainer fragt sich, soll ich wegen des Gegners meine Mannschaft umbauen, einen Bewacher aufstellen oder soll ich dem Gegner meinen Stil aufdrücken.

Mir fehlt es schon an der Präsenz, die Präsenz der Führungsriege. Warum ist nicht bekannt, was der “Verband” unternimmt. Es hat doch die grösste Plattform der Szene selbst geschaffen; ein vielbeachteter Internetauftritt. Wo ist die medienwirksame Präsenz. Auch anlässlich der Championatsfeier am Altjahrsabend hat man die Offiziellen des Direktoriums in Neuss vermisst. Es erinnerte eher an die Siegerehrung in meinem kleinen Reitverein bei der Vereinsmeisterschaft auf dem Lande... Wobei ich den Anwesenden Beifall zolle, dass sie den Mut hatten dies öffentlich anzusprechen.

Gehen wir doch mal 3 oder 4 Jahre zurück. Der Umsatz im Galopprennen steigt. Freizeitpark Deutschland, ist so alt auch nicht der Begriff. Die Meetingsbahnen kündigen ständig neue Umsatzziele an. Die Investition bemisst sich nach der Umsatzerwartung und nicht am realen Ergebnis. Trunken von Glückseligkeit wird die Führungsebene bejubelt. Telewette steckt in den Kinderschuhen. Das diese Schuhe in ein paar Jahren nicht mehr passen, wird total vergessen.

In diesen Zeiten bauen die Buchmacher ihr Geschäft kontinuierlich auf. Sie möchten teilhaben am Erfolg. Die Hansestadt Hamburg hatte vor 20 Jahren meiner Erinnerung nach 6 Buchmacher. Einer, der in der “Kleinen Rainstraße” schloss damals komplett. Vor 15 Jahren machte eine weiterer dicht und betrieb eine Spielhalle, weil Wetten nicht lohnten. Auch die Wettvermittlung brachte nichts ein. Ein nächste dümpelte in der “Grossen Bergstrasse” dahin, einer Gegend, wo Geschäfte langsam aber sicher starben. Heute haben letztgenannte beide grosse, äusserst erfolgreiche Buchmachergeschäfte in der Innenstadt und Wandsbek mit hoher Frequenz und exzellentem Service - Kaffee gratis usw. Dieses Muster wird in der ganzen Republik gelten.

Die Krise beschreibe ich so: Marketing - Punkt
E
s ist nicht so, dass man ein schlechtes Marketing betreibt, nein, man betreibt gar keines.
Folgende Eckpfeiler sind niemals aufgestellt worden: Medienpräsenz, Standortfragen, Marktpotential, Transparenz, Service... wer zählt sie alle?

Weil ich zu diesen Themen unter “Lösungen“ einige Ansätze darstellen möchte, wird hier plakativ dargestellt:
Medienpräsenz
Ein scheinbar schwieriges Thema. “Wenn das Fernsehen uns nicht will, zwingen können wir es schliesslich nicht”. Ende des Themas. Ein bisschen WDR vielleicht, doch wo bleiben die Andern (mich packt der Schalk! Ein ähnlicher Text von Otto fällt mir dabei ein: “ich will gar nichts von Dir....”, kennen Sie?) . Gibt es wirklich keine Möglichkeit? NEIN! ´tschuldigung. Dachte doch nur, wo es doch früher immer Tennis im Fernsehen gab. Ach, gibt’s nicht mehr seit Steffi und der Boris und der Michael..., ach so. Schade, sind nie ein Paar geworden, also Steffi und Boris. Hätte sich die grüne Presse gefreut. So wie damals beim Eislaufen. Haben auch nie geheiratet oder zumindest nicht in der Kombination Kilius-Bäumler. Und Basketball gab´s noch nicht. Und was war mit Langlauf? Und dann kam Behle, oder genauer, er kam nicht. Aber der Satz “Wo ist Behle”, der kam und blieb. Wissen Sie noch, dass es mal im Fernsehen Skifliegen gab. Früher, gaaaanz früher. Schmitt hiess der eine und Hannawald der andere. Biathlon, sehe ich auch immer wieder gern - also damals - als die Deutschen noch im Geschäft waren. Wann waren früher eigentlich Autorennen zu sehen? Hat ja eine gewisse Verwandtschaft. Schon im Namen. Und es geht darum wer erster ist. Aber sonst, doch eher langweilig, 90 Minuten im Kreis. Man stelle sich vor: Ein 90-Minuten-Galopprennen. Reportage: “Und jetzt geht Gänseblümchen an die Krippe. Wieviel frisst sie, 2-Krippen oder 1-Krippen Strategie. Der Hufschmied hämmert was der Hornspalt hergibt. Und da, ein Huf klemmt. Um Gottes willen, dass kostet Zeit.” Die Kamera schwenkt um und zeigt wie Kaiserschmarren “ääääpfelt..., leichter Rauch kommt auf, Getriebeschaden! Das ist schade, das ist schade, zwei Runden vor Schluss. Damit ist der Titel in weite Ferne gerückt..:”

Wann fällt denn der Groschen. Haben wir keine Stars? Natürlich haben wir welche: Starke, Suborics, Tai Jin, Ranson O´War - ein Knüllerprogramm. Wir gewinnen seit Jahren die wichtigsten Rennen im Ausland. L-A-N-D-O! Was für ein Pferd. Wir müssen lauter schreien. Nicht vornehme Zurückhaltung... Pardon Herr Graf. Ach die Presse interessiert sich auch nicht für uns? Keiner liebt uns. Das glaube ich nun noch weniger. Mindestens zu Grossereignissen sind seitenweise Berichte zu finden. Zu den nationalen Schachmeisterschaften sah ich noch nie ein Bild, da geht auch keiner hin. Welcher Sport liefert solch spektakulärere Bilder wie unser? Welcher Sport hat soviel Sprachelemente in der Tagessprache? “Bundesliga-Nordderby” (obwohl Lord Derby sich ´darbie´aussprach), “eine Nasenlänge voraus” (ich denke nicht, dass damit Mike Krüger gemeint ist). Welcher Sport findet in der Werbung soviel Metaphern? Wo überall sieht man ein Bild von einem rasant um die Ecke rauschendes Galopprennfeld. Ich suchte jüngst ein Hotel in Köln. Ging auf Internetseite www.holiday-inn.de und sah ein Bild eines Galopprennfeldes unter “Specials and Events”. Nun, dachte ich, Köln und das Bild, was bieten die mir für Pferderennen an? Vielleicht einen Sonderpreis zum Grand-Prix-Aufgalopp. Ein Klick und schade, nichts Galopprennen, kein Grand-Prix-Special-Preis, gratis mit Freikarte oder so. Also eine Metapher, ein Blickfang, bunt... welcher Reiz mag in dem Bild stecken, wenn ein Hotel das Bild nutzt, ohne das Erwartete anzubieten (übrigens keine gute Strategie: ein Bild weckt Erwartung, Nichterfüllung Enttäuschung, gleich Abkehr - soweit ein Marketingexperte). Unser Tagesleben ist also “in aller Munde” und “immer im Blick” und wir machen nichts draus? In den 60er Jahren ging man in Hamburg auch zum Derby, aber vor allem zu Hein Bollow. Auf allen Plakaten war Hein Bollow, ein richtiger “Hamburger Jung”. Gehört Buxtehude nicht auch ein klein wenig zu Hamburg? Andrasch selbst sieht sich als Hamburger! Mehr demnächst in diesem Theater...

Und bitte, nicht vergessen: heute 7. Februar 2004: Live-Übertragung des Frauen-Fussball-EM-Qualifikationsspiels Portugal versus Deutschland im Zweiten. Sieht man da wirklich besser?

Übrigens bei den heutigen  Live-Übertragungen aus Bahrenfeld (08.02.04) gab es ein Interview mit Hennig Rathjen und dem Goldhelm Wewering. Dort wurde von “Spass und Ideen” gesprochen und auch an Idole wie Boris Becker erinnert. Das seinen Lösungsvorschläge heraus aus der Misere im Trabrennsport! Also so ganz allein stehe ich nicht da, mit meiner Meinung - wer kennt eine Ideen der Verantwortlichen?

Standortfrage
OK, es ist schon etwas aufwendig, wenn alle Aktiven mitsamt der Rennbahn tingeln gehen. Also muss der Besucher möglichst kommen. Dann haben wir vollen Einsatz des Wetters ohne Zusatzkosten, wie Provision, Leitung usw. Aber wieviel Fans wohnen weiter entfernt als nur 3 Strassenbahnstationen? Spätestens zu Meetings sind die meisten Fans weit überfordert in Bezug auf Zeit und Kosten. Also zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Dies gilt aber nicht für Kunden, sondern in erster Linie für Anbieter. Media-Markt Kunden sollen nicht blöd sein, der Anbieter wäre es, wenn Media Markt nur in München geblieben wäre, dort wo er entstand. Und da ein Rennbahntransport nicht nur aufwendig, sondern fast unmöglich ist, könnten es doch die schon seit langem angekündigten 1.000 Büros im gesamten Bundesgebiet sein. Es riecht nach “Faust” wenn das Direktorium sich auf Investoren verlässt, die letztendlich dann überhaupt nichts tun. Wer, ausser den Rennvereinen, hat ein Interesse daran, Kunden, die aus organisatorischen Gründen die Rennbahn nicht aufsuchen können, zu bedienen? Wie ist denn der Erfolg bei der Vermittlung von Wetten durch Buchmacher. Sicher, die Buchmacher sehen auch, dass sie die Kuh die sie melken, nicht schlachten dürfen. OK, das Bild passt so ganz hier nicht, nein es ist gänzlich falsch. Die Buchmacher denken nicht ans Schlachten, sie melken nicht, sondern der Turf bringt die Milch freiwillig. Pferdewetten-online, das muss ich auch sagen, bringt sogar lobenswerter Weise immer wieder den Hinweis auf ihrer Wettseite, man möge doch die Rennbahnwette durchführen, damit die Rennvereine weiter Rennen veranstalten können, in einschlägigen Wettbüros soll bislang kein entsprechendes Schild gesichtet worden sein. Was ist, wenn die Buchmacher eines Tages keine Pferdewetten mehr vermitteln, sondern wirklich nur noch Sportwetten? Eigentlich ist hier schon alles in Richtung Lösung gesagt. Obwohl, da habe ich auch noch ein paar, etwas sehr fantastisch, im Sinne von phantasievolle, Ideen.

Marktpotential
Mit Einführung des Euros ist vieles teurer geworden. Restaurant, Computer, anfangs gar Lebensmittel und heute noch alles, was man nur sporadisch benötigt. Dort wo Vergleiche schwer sind, ist der Preis nach wie vor zu hoch. Ich finde der Vergleich zwischen Rennbahnwetten und Buchmacherwetten ist gar nicht so schwer anzustellen. Die Rennbahnen haben den Einsatz von 2,50 DM auf 2 € bzw. bei Einlauf und Dreier auf 1,5 € angehoben. Die Buchmacher haben den Mindesteinsatz reduziert. Konkret von 0,588 € auf 0,575 €  oder in DM von 1,15 DM  auf unter 1,13 DM. Klar, ein Rundungsproblem. Aber die Buchmacher sind gar nicht erst auf die Idee gekommen 0,70 € (entsprechend der Preiserhöhung bei DW auf der Bahn) oder gar 90 Cents (entsprechend Preiserhöhung der Bahnsieg-Platzwette) zu verlangen. Nein, im Gegenteil, sie können Kombiwetten gar noch billiger bekommen. Es ist kaum zu glauben, die Buchmacher finanzieren den Ausbau ihrer Organisation mit Cents! Konkrete Vorschläge und auch neue Ideen - demnächst in diesem Medium.


Ich weiss nicht, ob dies richtig herauskam: der Galoppsport leistet sich den Luxus, das Marktsegment “Kleinwetter” auszulassen. Und so sieht ein “Kleinwetter” bei der Dreierwette aus: Er setzt ein Pferd auf “1”, ein Pferd auf “2+3” und hängt alle dran und spielt - mangels Angebot - beim Buchmacher mit 50 Cent. Das kostet im Schnitt 10 € also pro Renntag 80 bis 100 € Euro. Klar das Buchmacher da expandieren.

Transparenz
Eine Sportwette ist so einfach, das versteht ein dreijähriges Kind. Sie ist transparent, denn da laufen 22 Männer nach einem Ball, weil die so arm sind, dass sie sich keinen Eigenen leisten können, oder so ähnlich. Was Abseits ist, weiss keiner so recht, aber das ist egal. Abseits ist es auf jeden Fall, wenn der Schiedsrichter nicht pfeift und ein Tor fällt. Sportwetten sind ganz einfach. Sportwetten sind nicht so sehr interessant, eher langweilig.
Galopprennen ist sehr komplex. Komplexer als Trabrennen und alle anderen Sportarten - nur Football erscheint mir noch schwieriger. Ist es aber so schwer, dass dies niemand den neuen Besuchern erklärt? Die Infos in den Programmen. Also entschuldigen Sie bitte, dass ist nicht ihr Ernst! Internet, ja, die Seiten sind nicht schlecht. Nicht die Information, die die Leute haben wollen, ja schon besser als noch vor Jahren und das was man zu Papier gebracht hat. Pferdewetten sind unheimlich spannend, nur das weiss noch keiner.
Soweit im Ernst. Und nun haben wir wieder Spaß: Besonders gut gefällt mir die Direktoriums-Seite mit dem Hinweis, dass es feste Zeiten gibt, zu welchen man in der Telewette auf dem Sender N-TV Galopprennen sehen kann. Ab 16.10h  bis 17.00 h! Und es gibt auch immer Vorschauen um 12.50, 13.50 und 14.50h.
Ich glaub mein Fernseher ist defekt. Kommt immer was anderes!

Wer hat es, das Galopprennen,  mir beigebracht? Wollen Sie es genau wissen, ja? Etwa ein Dutzend Pferdebücher, eine Rennordnung und hunderte von Rennbahn- und zig-Trainingsbesuche. Wenn ich nicht ein Mensch wäre, der alles gaaaaanz genau verstehen muss, wäre ich schon lange weg und könnte diese Seiten nicht mit diesem Themenkreis füllen. Anfangs hat die Neugier mich gepackt, heute die Leidenschaft - und das in meinem Alter... Einige meiner Leser deren eMails mich erreichen, sind froh einen Ansprechpartner gefunden zu haben, der ihnen “dies und das mal erklären kann”. Da sind wir schon wieder bei Loriot oder Wilhelm Bendow, nicht wahr. Nur meine Leser können nicht darüber lachen. Eine Leserin hat noch nie gewagt eine DW abzugeben, weil sie nicht hinreichend Informationen von der Rennbahn erhält. Sie freute sich riesig, weil es ihr gestern bei ihrer ersten DW mit den hier gegebenen Erläuterungen gleich beim ersten Mal gelang zu gewinnen. Wer setzt dort an? Ein anderer schrieb kürzlich “wollen die Herren gar nicht, dass man das versteht? Aber ich werde doch mein sauer verdientes Geld nicht ausgeben ohne zu wissen wofür.” Ja, das befürchte ich, ist des Drudels Kern.

Service
Da war ich ja gerade eben. Das ist hier nicht weit entfernt vom letzten Satz des letzten Absatzes. Ich finde den Internetauftritt des Direktoriums Klasse. Und das ist ernst gemeint, nicht zynisch, nein voller Ernst - versprochen. Aber, der Auftritt ist - neben den nackten Fakten - dünn und wie oben aufgezeigt - überholt. Ich nenne es mal “emotionslos”. Da ist kein Feuer, da sind keine aktuellen Infos. Sachlich 1, fachlich 2, Informationswert = 5. Tut mir leid, aber seriös allein reicht heute nicht mehr.

Das Schlimmste ist aber dies. Service im Internet definiere ich so: eine Seite mit Infos betreiben und Fakten. Dies wird schon nicht vollends erfüllt. Aber bei Service darf man eines nie, nie und niemals vergessen: eMail müssen alle beantwortet werden. Meine vorletzte an das Direktorium wurde beantwortet. Seitdem (aber vielleicht nicht deswegen) gibt es Infos zu Auslands-Grupperennen. Vielen Dank Frau R. Mein letztes trug den Hinweis, dass man sich eine Antwort ersparen kann, wenn man nicht will. Deshalb ist es legitim nicht zu antworten. Aber alle anderen eMails vorher fanden niemals eine Resonanz. Ein “vielen Dank für den Hinweis, habe ich weitergeleitet”. wäre OK. Ein Brennprogramm welches ich verwende, hat im Detail Fehler, die mich ärgern, weil ich sie bräuchte, aber wer bearbeitet Schallplattenaufnahmen so intensiv wie ich. Deshalb war die Antwort “haben wir unserer Entwicklungsabteilung weitergeben” befriedigend. Fa. CCP hat nach Jahren monierte Fehler im exzellenten Grafikprogramm Studio (siehe meine Besitzerfarben auf den Tippseiten) beseitigt und früher entsprechend geantwortet. Aber nichts vom Direktorium, keine Antwort, das ist schlechter Stil. Und es ist nicht so, dass dies nur das Direktorium betrifft. Ein Rennverein sagte mir “ach, sie schreiben immer Briefe (??? Anmerkung: zwei), die müssen wir alle lesen”. Joh, sonst hätte ich eine Kassette geschickt, die hätten sie anhören müssen. Na ist doch wahr! Auf eine allgemeine Anfrage hat ein anderer Rennverein nicht geantwortet. Die Bitte das Symbol-Bild der Rennbahn meiner Bahnbeschreibung unterlegen zu dürfen, ist unbeantwortet (bei dem Umsatz fehlt wahrscheinlich die Briefmarke für das eMail. Na, ich werde doch wohl ein Oval selbst zustande bringen mit Studio 3.0!). Nur selten erhielt ich Antwort, stellvertretend: danke Düsseldorf!

Nicht, dass ich mir hier den Frust von der Seele schreiben will. Kinder, mir ist das Wurscht. Also wenn’s nicht anders geht, dann gucke ich bis die letzte Bahn schliesst und habe Zeit für meine anderen Hobbys. Aber viele meiner Leser berichten genau das: kein Service, keine Antwort, nur Ignoranz! Stimmt das? Es sieht so aus. Wen er die Liebe seines Volkes nicht erwidert, verliert der König sein Volk.

Versöhnlicher Ausklang
Irgendwo hatte ich gesagt, ich will nicht meckern, sondern kreative Vorschläge machen. Aus meiner Sicht habe ich dies bislang erfüllt, nur das mit den kreativen Ideen, das ist teils nur angedeutet oder aber nicht gesagt. Gemeckert, nein gemeckert habe ich nicht. Wer etwas sagen möchte, sollte das gleich tun oder ewig schweigen. Habe ich irgendwie noch im Kopf. Ich habe nicht geschwiegen. Wenn man Fehler aufzeigt, dann ist das legitim. All das tat ich hiermit. Die Beurteilung obliegt jedem Einzelnen. Je Betroffener, desto mehr. Ich denke die Entwicklung der Menschheit beruht auf Meinung und Widerspruch. Auf Versuch und Irrtum. Auf Respekt und Achtung...

Die Folgeseite “Vorschläge” starte ich demnächst. So peu-a-peu. Ich verstehe jetzt aber die Zuschrift, die mich anspornte, aber auch warnte, dass ich auch an meine Freizeit denken soll. Ja, Herr C., Sie haben Recht. Hätte ich nicht gedacht, was das für ein Aufwand ist. Aber, ich freue mich auch, dass es viele Menschen gibt, den den Sport lieben und mit mir um die Zukunft des Turfs in Deutschland bangen. Ich bin, so man mich bittet, gerne bereit auch Ihre Sorgen hier auszusprechen. Die einschlägigen Foren eignen sich m.A.n. hierzu leider nicht.

Ich bin gespannt, ob und wer sich angesprochen fühlt. Ich bin gespannt, wie oft ich Zustimmung oder auch Widerspruch ernte. Ich werde mir erlauben, so den eine repräsentative Menge zusammenkommt, dies auch zusammenzufassen - keine Angst ohne Namen, nicht mal mit E , F oder G-Punkt: info@galopprennen.org

So, das sind nun über 1,13 Meter Internet-Seite. Hoffentlich sind Sie jetzt nicht erschlagen oder frustriert. Nein, ich will Ihre Kampfeslust sehen und Ihr Engagement. Es kann nicht schaden, wenn sie sich auch direkt an Rennvereine und Direktorium mit Hinweisen und Wünschen wenden! Natürlich werde ich auch weiterhin alle Post lesen und beantworten. Bis denn!

Ich bin mir ganz sicher, dass der Galopprennsport in Deutschland niemals ein Ende finden wird. Nur die Antwort auf die Frage, wer richtet diese Rennen in der Zukunft aus, das mag in den Sternen stehen...

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